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Es gibt ein Gespräch, das ich in fast jeder Organisation führe, in der ich arbeite. Es geht so:
Ich frage das Marketingteam: „Wie ist eure Zusammenarbeit mit Sales?“
Antwort: „Komplex. Die verstehen nicht, was wir leisten. Wir liefern Leads – und dann hören wir nichts mehr.“
Ich frage das Salesteam: „Wie ist eure Zusammenarbeit mit Marketing?“
Antwort: „Na ja. Die Leads sind meistens nicht reif genug. Wir verbringen mehr Zeit mit Qualifizierung als mit Verkaufen.“
Beide haben recht. Beide haben unrecht. Und beide reden seit Jahren aneinander vorbei.
Marketing und Sales sind in den meisten Organisationen keine Partner. Sie sind zwei Abteilungen mit überlappenden Zuständigkeiten, unterschiedlichen Anreizen und einem gemeinsamen Schuldigen für alles, was nicht funktioniert: die jeweils andere Seite.
Dieser Artikel ist kein Plädoyer für mehr Meetings zwischen Marketing und Sales. Es gibt bereits zu viele. Er ist ein Plädoyer für eine andere Grundlogik – und dafür, warum das Scheitern dieser Zusammenarbeit teurer ist als die meisten Organisationen ahnen.
Marketing wird gemessen an Leads, Reichweite, MQLs, Brand Awareness – Kennzahlen, die Marketing direkt beeinflussen kann. Sales wird gemessen an Abschlüssen, Pipeline-Wert, Quota Attainment – Kennzahlen, die Sales direkt beeinflussen kann.
Das klingt vernünftig. Es ist das Problem.
Denn in diesem Setup hat Marketing keinen Anreiz, sich um die Qualität von Leads zu kümmern, die erst in drei Monaten relevant werden. Und Sales hat keinen Anreiz, Marketing über die Qualität der Leads zurückzumelden, die heute nicht funktionieren. Beide optimieren für ihre eigenen Kennzahlen – und niemand optimiert für das Ergebnis, das am Ende zählt: Umsatz.
Wenn Marketing für Leads gemessen wird und Sales für Abschlüsse, hat niemand einen Anreiz, für die Schnittstelle verantwortlich zu sein. Und genau dort geht das meiste Geld verloren.
Was an dieser Schnittstelle verloren geht, lässt sich selten direkt messen. Es gibt keine Kennzahl für „Leads die hätten konvertieren können, wenn die Übergabe besser gewesen wäre“. Aber jeder der in diesem System gearbeitet hat, kennt die Symptome: eine gefüllte Pipeline die sich nicht bewegt, ein Salesteam das klagt über schlechte Leadqualität oder zu wenig Leads, ein Marketingteam das klagt über mangelnde Rückmeldung, und ein Management das sich fragt, warum das Wachstum hinter den Erwartungen bleibt.
Marketing produziert Leads und übergibt sie an Sales. Was danach passiert, ist nicht Marketings Problem – zumindest nicht in der Logik der meisten Systeme. Das Ergebnis: Leads werden übergeben, ohne dass klar ist, was Sales damit anfangen soll. Kein Kontext, kein Scoring, keine Information darüber, welches Problem der Lead hat und wo er in seiner Entscheidungslogik steht.
Sales übernimmt, qualifiziert – und stellt fest, dass ein Großteil der Leads nicht spruchreif ist. Sie werden in eine Warteschleife geschoben oder verworfen. Das Feedback an Marketing: minimal. Der nächste Monat: derselbe Mechanismus.
Was ist ein qualifizierter Lead? In den meisten Organisationen gibt es darauf zwei Antworten: die von Marketing und die von Sales. Marketing definiert einen MQL als jemanden, der ein Whitepaper heruntergeladen und zwei E-Mails geöffnet hat. Sales definiert einen qualifizierten Lead als jemanden, der Budget hat, Entscheidungsbefugnis, einen konkreten Bedarf und einen Zeithorizont.
Diese Definitionen werden selten explizit verglichen. Stattdessen entstehen stille Missverständnisse, die sich in gegenseitiger Frustration äußern – ohne dass das eigentliche Problem je benannt wird.
Marketing hat Daten über Kanalperformance, Content-Engagement, Kampagnenwirkung. Sales hat Daten über Einwände, Entscheidungslogiken, Wettbewerbssituationen, Gründe für verlorene Deals. Beide Datensätze sind wertvoll. Beide bleiben meistens dort, wo sie entstehen.
Das Ergebnis: Marketing baut Kampagnen auf Basis von Annahmen über Kunden, die Sales längst widerlegt hat. Und Sales argumentiert mit Botschaften, die Marketing längst weiterentwickelt hat. Beide arbeiten mit veralteten Karten für dasselbe Terrain.
Die Kosten der fehlenden Marketing-Sales-Integration sind in keiner GuV sichtbar. Es gibt keine Zeile für „Verluste durch schlechte Schnittstellenlogik“.
Aber sie sind real – und sie manifestieren sich in fünf konkreten Formen:
Die Frage ist nicht, ob schlechte Marketing-Sales-Integration teuer ist. Die Frage ist, warum so wenige Organisationen den Preis wirklich beziffern.
Die Lösung ist nicht ein weiteres Alignment-Meeting. Es ist eine veränderte Grundlogik – in drei Dimensionen.
Der erste Schritt ist der unbequemste: Marketing und Sales müssen an denselben Ergebnissen gemessen werden. Nicht an ihren jeweiligen Aktivitäten – sondern an dem, was gemeinsam entsteht. Pipeline-Qualität. Conversion Rate von MQL zu SQL zu Abschluss. Revenue Contribution von Marketingkanälen. Das verändert die Anreizstruktur. Und veränderte Anreize verändern Verhalten – zuverlässiger als jeder Workshop.
Was ist ein Lead, den Sales wirklich bearbeiten kann? Diese Frage muss gemeinsam beantwortet werden – nicht einmal, sondern regelmäßig, weil sich Märkte verändern. Das Ergebnis ist ein Service Level Agreement zwischen Marketing und Sales: Marketing liefert Leads dieser Qualität, Sales bearbeitet sie innerhalb dieses Zeitrahmens und gibt Feedback in dieser Form zurück. Klingt bürokratisch. In der Praxis ist es das Gegenteil – weil es stille Missverständnisse durch explizite Vereinbarungen ersetzt.
Was Sales über verlorene Deals weiß, muss in die nächste Kampagne einfließen. Was Marketing über Kanalperformance weiß, muss in die nächste Sales-Strategie einfließen. Das ist keine Frage von Technologie – es ist eine Frage von Prozessen und der Bereitschaft, Wissen zu teilen statt einzubehalten.
Marketing und Sales scheitern nicht aneinander, weil die Menschen schlechter wären. Sie scheitern, weil die Systeme, in denen sie arbeiten, Silos belohnen und Integration nicht einfordern. Das ist eine Führungsaufgabe. Nicht die Aufgabe des Marketingleiters allein, nicht die des Vertriebsleiters allein. Sondern die Aufgabe desjenigen, der für das Gesamtergebnis verantwortlich ist – und bereit ist, die Strukturen zu verändern, die das Gesamtergebnis heute limitieren.
Marketing und Sales können zusammenarbeiten. Aber nur, wenn sie nicht mehr gegeneinander optimieren dürfen.
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Ich helfe Unternehmen dabei, Marketing und Sales so aufzustellen, dass sie gemeinsam auf Wachstum optimieren – von der Kennzahlenstruktur bis zur operativen Schnittstellenlogik. Bei Interesse freue ich mich auf das Gespräch.
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Ich bin Advisor und Interim CMO und helfe Unternehmen dabei, digitales Marketing wirksam zu machen – nicht nur zu betreiben. Wenn du das Thema in deiner Organisation erkennst und darüber sprechen möchtest, freue ich mich auf den Austausch.