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Digitales Marketing wirkt zugänglich. Jeder hat einen LinkedIn-Account. Jeder kennt Google. KI produziert in Minuten Inhalte, die vor zwei Jahren Stunden gedauert hätten. Die Oberfläche des digitalen Marketings ist demokratisiert wie nie zuvor.
Die Tiefe nicht.
Und genau dort, wo es auf Tiefe ankommt, verliert man die meisten Akteure. Nicht weil sie es nicht wollen. Sondern weil es anstrengend ist, unbequem wird und die Ergebnisse nicht mehr sofort sichtbar sind. An diesem Punkt steigen viele aus. Und das hat Konsequenzen, die sich erst Monate später zeigen.
Das Potenzial des digitalen Marketings liegt in der Qualität der Umsetzung, nicht in der Qualität des Konzepts. Und Umsetzungsqualität ist nicht trivial. Sie erfordert Dinge, die viele nicht bereit sind zu geben. (Oliver Gangnus)
Es gibt eine Vorstellung davon, wie gutes digitales Marketing funktioniert, die in vielen Organisationen kursiert. Man entwickelt eine Strategie. Man wählt Kanäle. Man beauftragt eine Agentur. Man wartet auf Ergebnisse.
Das ist keine Strategie. Das ist eine Hoffnung.
Echtes Potenzial entsteht dort, wo die Arbeit wirklich stattfindet. In einer Tracking-Architektur, die tatsächlich misst was gemessen werden soll, und nicht das, was sich technisch am leichtesten abbilden lässt. In einer Content-Struktur, die nicht nach Bauchgefühl, sondern nach tatsächlicher Suchnachfrage gebaut ist. In einer Kampagnensteuerung, die auf validen Daten beruht und nicht auf Dashboards, die gut aussehen aber wenig sagen.
Das ist Handwerk. Und Handwerk hat eine Eigenschaft, die Konzepte nicht haben: Man sieht sofort, ob jemand es beherrscht oder nicht. Nicht in der Präsentation. In der Ausführung.
Gute Umsetzung im digitalen Marketing bedeutet, dass jemand versteht warum eine Seite nicht konvertiert, obwohl der Traffic stimmt. Dass jemand erkennt, wenn Kampagnendaten strukturell falsch sind, weil das Tracking nicht sauber aufgesetzt wurde. Dass jemand die Entscheidung trifft, einen Kanal zu pausieren, auch wenn das kurzfristig Reichweite kostet, weil die Qualität der generierten Kontakte nicht stimmt.
Diese Entscheidungen brauchen Tiefe. Und Tiefe ist nicht demokratisiert. Auch, wenn sich an dieser Stelle natürlich die KI nach ihrer Meinung fragen lässt.
Es gibt einen Moment in fast jedem digitalen Marketingprojekt, an dem die Kurve steiler wird. Wo es nicht mehr reicht, eine Richtung zu benennen. Wo konkrete Entscheidungen getroffen werden müssen, die technisches Verständnis voraussetzen, unbequeme Konsequenzen haben oder einfach Zeit brauchen, die man gerade nicht hat.
An diesem Punkt passiert etwas Vorhersehbares: Die Beteiligten lösen sich vom Problem. Nicht dramatisch, nicht mit einer Entscheidung. Sondern schleichend.
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Ein Thema wird übergeben, aber die Verantwortung bleibt diffus. Die Agentur ist zuständig, aber niemand prüft wirklich, ob das, was sie tut, das Richtige ist. Das interne Team ist informiert, aber niemand hat die Autorität, Kurs zu korrigieren. Und wenn am Ende etwas nicht funktioniert, ist die Verantwortung so breit und genossenschaftlich verteilt, dass niemand wirklich dafür einsteht.
Viele Briefings, die Agenturen erhalten, sind keine Arbeitsgrundlagen. Sie sind Dokumente, die belegen sollen, dass man seiner Pflicht nachgekommen ist. Vollständig genug um zu zeigen, dass man involviert war. Vage genug um nicht festgelegt zu sein.
Eine Agentur, die ein solches Briefing erhält, hat zwei Optionen. Sie kann nachfragen, was die Zusammenarbeit verlangsamt und oft als mangelnde Kompetenz interpretiert wird. Oder sie kann loslegen und das Briefing so interpretieren, dass sie damit gut aussieht. Meistens wählen Agenturen die zweite Option. Nicht aus Böswilligkeit, sondern aus rationaler Selbsterhaltung.
Digitales Marketing ist in den letzten Jahren nicht einfacher geworden. Mehr Plattformen, mehr Daten, mehr Tools, mehr Abhängigkeiten, KI. Wer nicht kontinuierlich dabei bleibt, verliert den Überblick. Wer den Überblick verloren hat, delegiert. Und wer delegiert ohne zu verstehen, kann nicht mehr beurteilen, ob das Delegierte gut gemacht wird.
Das ist der Moment, in dem viele aussteigen. Nicht bewusst. Aber effektiv.
Die Agentur als Sündenbock ist ein so verbreitetes Phänomen, dass man es fast schon als Industriestandard bezeichnen könnte. Kampagne läuft nicht wie erwartet? Die Agentur hat schlechte Arbeit geleistet. Leads haben die falsche Qualität? Die Agentur hat nicht richtig getargetet. Kosten sind gestiegen? Die Agentur ist zu teuer.
Manchmal stimmt das. Aber meistens ist die Agentur das letzte Glied in einer Kette von Entscheidungen, die das Scheitern bereits vorprogrammiert haben.
Eine Agentur, die mit einem vagen Briefing, ohne klare Erfolgskriterien und ohne echten Ansprechpartner auf Kundenseite losgeschickt wird, marschiert auf gut Glück ins Verderben. Und am Ende steht sie als Buhmann da, obwohl das eigentliche Problem woanders lag.
Das falsche Setup hat meistens dieselben Komponenten. Kein klares Briefing, das wirklich erklärt was das Unternehmen erreichen will und warum. Keine klare Verantwortlichkeit auf Kundenseite, die sicherstellt, dass jemand die Arbeit der Agentur wirklich begleitet und beurteilt. Keine klaren Erfolgskriterien, die im Voraus definieren, woran man erkennt ob es funktioniert hat.
In diesem Setup kann niemand wirklich scheitern. Und deshalb kann auch niemand wirklich gewinnen. Man bewegt sich in einem Raum der angenehmen Unverbindlichkeit, bis irgendwann die Frustration groß genug ist, um die Agentur zu wechseln. Und dann beginnt der Zyklus von vorne.
Hier liegt der Kern des Problems. Und hier kommt eine unbequeme Wahrheit.
Das falsche Setup entsteht nicht zufällig. Es entsteht, weil niemand in der Führung bereit oder in der Lage ist, die Verantwortung zu übernehmen, die gutes digitales Marketing erfordert. Nicht die operative Verantwortung, die kann und soll delegiert werden. Sondern die Führungsverantwortung.
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Wer ist intern verantwortlich dafür, dass die Agentur gut geführt wird? Nicht beauftragt, sondern geführt. Wer prüft das Briefing, bevor es rausgeht? Wer beurteilt die Ergebnisse, bevor die Rechnung bezahlt wird? Wer hat die Kompetenz und die Autorität, Kurs zu korrigieren wenn etwas nicht stimmt?
In vielen Organisationen gibt es auf diese Fragen keine klare Antwort. Und das ist ein Führungsproblem, kein Marketingproblem.
Ein Geschäftsführer, der Marketing wirklich führt, beschränkt sich nicht darauf, Budgets zu genehmigen und Präsentationen abzunehmen. Er fragt nach der Substanz. Nicht nach den Zahlen die gut aussehen, sondern nach den Entscheidungen die dahinter stehen. Warum dieser Kanal und nicht jener? Was haben wir aus dem letzten Quartal gelernt? Welche Hypothese testen wir gerade, und woran erkennen wir ob sie stimmt?
Diese Fragen erfordern kein tiefes technisches Wissen. Aber sie erfordern die Bereitschaft, sich wirklich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und die Ausdauer, dabei zu bleiben, auch wenn es anstrengend wird.
Der entscheidende Moment ist nicht der Kickoff-Workshop. Er ist der Moment drei Monate später, wenn die ersten Ergebnisse hinter den Erwartungen liegen, das Team unter Druck steht und die einfachste Lösung wäre, die Erwartungen anzupassen statt die Arbeit.
In diesem Moment zeigt sich, wer wirklich führt. Wer die unbequeme Frage stellt, wer den Standard hält, wer nicht zulässt, dass Aktivität mit Wirkung verwechselt wird. Und wer aussteigt.
Wer nicht versteht was gute Umsetzung bedeutet, kann sie nicht einfordern. Wer sie nicht einfordern kann, bekommt sie nicht. Und wer sie nicht bekommt, wundert sich am Ende warum das Marketing nie wirklich gewirkt hat.
Digitales Marketing ist komplex geworden. Das ist keine Entschuldigung. Es ist eine Anforderung.
Wer als Geschäftsführer die Qualität der digitalen Marketingumsetzung wirklich verbessern will, muss bereit sein, tiefer zu gehen als die Oberfläche. Nicht um selbst zu exekutieren. Sondern um zu verstehen, was gute Exekution bedeutet, um die richtigen Fragen zu stellen, um klare Verantwortlichkeiten zu setzen und um den Standard zu halten, wenn es anstrengend wird.
Das ist nicht trivial. Aber es ist die Voraussetzung dafür, dass digitales Marketing jemals das leistet, was es leisten könnte.
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Ich begleite Geschäftsführer und Führungsteams dabei, digitales Marketing so aufzusetzen, dass Verantwortung klar ist, Umsetzungsqualität eingefordert wird und Agenturen wirklich geführt statt nur beauftragt werden. Bei Interesse freue ich mich auf das Gespräch.
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Ich bin Advisor und Interim CMO und helfe Unternehmen dabei, digitales Marketing wirksam zu machen – nicht nur zu betreiben. Wenn du das Thema in deiner Organisation erkennst und darüber sprechen möchtest, freue ich mich auf den Austausch.